Lange Schlappohren sind das Markenzeichen des Cavaliers und zugleich die Stelle, die die meiste regelmäßige Pflege braucht. Ein Ohr, das ständig von einer schweren Ohrmuschel bedeckt ist, wird schlecht belüftet — und Feuchtigkeit und Wärme sind genau das, was Bakterien und Pilze brauchen.
Dieser Text erklärt, warum Ohrenentzündungen bei dieser Rasse häufig sind, woran man sie erkennt, wie das Ohr richtig gereinigt wird und was man keinesfalls tun darf.
Warum Schlappohren mehr Pflege brauchen
Bei Rassen mit Stehohr gelangt Luft frei in den Gehörgang und trocknet ihn. Beim Cavalier deckt die Ohrmuschel den Gang wie ein Deckel ab, sodass Feuchtigkeit, die beim Baden oder bei einem Spaziergang im Regen hineingerät, dort bleibt.
Hinzu kommt, dass der Cavalier auch an der Ohrinnenseite dichtes Haar hat, das Feuchtigkeit und Schmutz zusätzlich festhält.
Das Ergebnis: Entzündungen treten bei dieser Rasse häufiger auf als im Durchschnitt und kehren oft zurück, wenn die Ursache nicht beseitigt wird.
Woran man eine Entzündung erkennt
Die Anzeichen sind meist eindeutig und treten gemeinsam auf:
- der Hund schüttelt den Kopf oder hält ihn zur Seite geneigt
- er kratzt das Ohr mit der Pfote oder reibt den Kopf an Möbeln
- aus dem Ohr kommt ein unangenehmer, süßlicher Geruch
- im Gehörgang ist ein brauner, gelber oder schwarzer Ausfluss zu sehen
- die Innenseite der Ohrmuschel ist gerötet und warm
- der Hund lässt sich das Ohr nicht anfassen oder winselt bei Berührung
Der Geruch ist das zuverlässigste Frühzeichen und fällt auf, bevor überhaupt etwas zu sehen ist. Ein gesundes Cavalier-Ohr riecht überhaupt nicht.
Was eine Entzündung auslöst
Bei dieser Rasse sind die häufigsten Ursachen folgende:
- Feuchtigkeit nach dem Baden oder Schwimmen. Die häufigste Einzelursache und die am leichtesten zu vermeidende.
- Allergie. Bei Hunden mit Allergie kehren Ohrenentzündungen trotz ordentlicher Reinigung immer wieder — das ist der wichtigste Hinweis darauf, dass die Ursache nicht im Ohr selbst liegt.
- Zu viel Haar im Gehörgang, das Feuchtigkeit festhält und die Belüftung verhindert.
- Ohrmilben, häufiger bei jungen Hunden, mit einem charakteristischen dunklen Ausfluss ähnlich Kaffeesatz.
- Ein Fremdkörper, meist ein Grashalm oder eine Grasgranne, die beim Spaziergang in den Gehörgang gerät.
Wie das Ohr gereinigt wird
Regelmäßig, aber nicht zu oft. Bei einem gesunden Cavalier reicht einmal wöchentlich völlig, und nach jedem Bad.
Der Ablauf ist einfach:
- heben Sie die Ohrmuschel an und geben Sie ein für Hunde bestimmtes Ohrreinigungsmittel hinein
- massieren Sie den Ohrgrund etwa zehn Sekunden sanft, Sie hören ein charakteristisches Geräusch
- lassen Sie den Hund den Kopf schütteln, so kommt der meiste Schmutz heraus
- wischen Sie nur den sichtbaren Teil ab, mit Gaze oder um den Finger gewickelter Watte
- trocknen Sie den äußeren Teil des Ohres und die Innenseite der Ohrmuschel
Ein Wattestäbchen darf niemals in den Gehörgang eingeführt werden. Es schiebt den Schmutz tiefer, und der Gang wird leicht verletzt. Gereinigt wird nur, was sichtbar ist.
Was man nicht tun darf
- verwenden Sie keinen Alkohol, Essig oder Wasserstoffperoxid, sie reizen die ohnehin entzündete Haut
- verwenden Sie keine Tropfen von einer früheren Entzündung ohne erneute Untersuchung
- reinigen Sie kein schmerzhaftes und gerötetes Ohr, das verlangt den Tierarzt und keine Reinigung
- zupfen Sie das Haar nicht selbst aus dem Gehörgang, dadurch entstehen kleine Wunden
Der letzte Punkt sorgt oft für Unsicherheit. Früher wurde das Auszupfen der Haare im Gehörgang routinemäßig empfohlen, heute geschieht es nur, wenn der Tierarzt es für nötig hält.
Wann zum Tierarzt
Eine Untersuchung ist nötig, wenn:
- Geruch, Ausfluss oder Rötung vorhanden sind
- der Hund länger als ein, zwei Tage anhaltend den Kopf schüttelt
- er den Kopf schief hält
- das Ohr bei Berührung schmerzt
- die Entzündung mehrmals im Jahr wiederkehrt
Der Tierarzt nimmt einen Abstrich und stellt unter dem Mikroskop fest, ob Bakterien, Pilze oder Milben vorliegen. Das ist wichtig, denn jede dieser drei Ursachen wird anders behandelt, und Tropfen, die bei der einen helfen, helfen bei der anderen nicht.
Wenn Entzündungen immer wiederkehren
Das ist der häufigste Denkfehler. Tritt eine Entzündung dreimal oder öfter im Jahr auf, liegt die Ursache fast nie in der Ohrenpflege.
Meist steckt eine Allergie gegen Futter oder Umweltstoffe dahinter. Die Lösung liegt dann nicht in Tropfen, sondern im Auffinden des Allergens; die Entzündungen hören erst auf, wenn es beseitigt ist.
Wissenswert ist auch, dass ein Hund Schmerz aus dem Ohr oft durch Kratzen am Hals zeigt. Beim Cavalier wird das leicht mit einem Zeichen der Syringomyelie verwechselt, deshalb wird immer zuerst das Ohr überprüft.
Fazit
Die Ohren eines Cavaliers brauchen wenig Aufmerksamkeit, aber regelmäßig. Eine Reinigung pro Woche, Trocknen nach jedem Bad und die Regel, nichts in den Gehörgang zu schieben, lösen die meisten Probleme, bevor sie entstehen. Kehren die Entzündungen dennoch wieder, liegt die Antwort nicht in häufigerer Reinigung, sondern in der Suche nach einer Ursache außerhalb des Ohres.
Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt weder Untersuchung noch Beratung durch einen Tierarzt.
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