Ein Herzgeräusch ist der häufigste Befund, durch den ein Cavalier-Besitzer zum ersten Mal das Wort „Kardiologe“ hört. Das Wort klingt beängstigend, bedeutet für sich genommen aber nicht, dass der Hund krank oder sein Leben bedroht ist. Ein Geräusch ist ein Klang, keine Diagnose.
Dieser Text erklärt, was der Tierarzt tatsächlich hört, was die Grade 1 bis 6 bedeuten, wann ein Geräusch beim Cavalier weitere Abklärung erfordert und wann nicht.
Was ein Herzgeräusch ist
Ein gesundes Herz gibt beim Abhören mit dem Stethoskop zwei klare Töne von sich. Ein Geräusch ist ein zusätzlicher Klang dazwischen, der entsteht, wenn das Blut im Herzen nicht gleichmäßig, sondern turbulent fließt.
Turbulenzen können mehrere Ursachen haben. Beim Cavalier ist die mit Abstand häufigste Ursache die Mitralklappenerkrankung, bei der die Klappe nicht mehr dicht schließt und ein Teil des Blutes zurückfließt. Ein Geräusch können aber auch Blutarmut, Fieber, die Aufregung des Hundes in der Praxis sowie angeborene Herzfehler verursachen, die in jungem Alter entdeckt werden.
Deshalb ist der erste Befund eines Geräuschs nie das Ende der Geschichte, sondern ihr Anfang.
Die Einteilung des Geräuschs von 1 bis 6
Tierärzte verwenden eine international anerkannte Skala mit sechs Graden, die ausschließlich die Lautstärke des Klangs beschreibt:
- Grad 1: das leiseste überhaupt hörbare Geräusch, und das nur in einem völlig stillen Raum nach längerem Abhören.
- Grad 2: ein leises, aber gut hörbares Geräusch, das auf eine kleine Stelle am Brustkorb begrenzt ist.
- Grad 3: ein Geräusch, das sofort zu hören ist, sobald das Stethoskop an der richtigen Stelle aufgesetzt wird.
- Grad 4: ein lautes Geräusch, das sofort und über einen größeren Bereich hörbar ist, sich aber noch nicht mit der Hand ertasten lässt.
- Grad 5: ein sehr lautes Geräusch mit einem Schwirren der Brustwand, das mit der Handfläche zu spüren ist.
- Grad 6: das lauteste Geräusch, hörbar sogar dann, wenn das Stethoskop leicht vom Brustkorb abgehoben wird.
Beim Cavalier mit Mitralklappenerkrankung beginnt das Geräusch meist als Grad 1 oder 2 und wird mit der Zeit lauter. Wie schnell das geht, ist von Hund zu Hund verschieden und lässt sich aus einer einzigen Untersuchung nicht vorhersagen.
Warum der Grad nicht dasselbe ist wie die Schwere der Krankheit
Das wird am häufigsten missverstanden. Der Grad misst, wie laut der Klang ist, nicht wie geschädigt das Herz ist.
Ein Hund mit einem Geräusch vom Grad 4 kann ein normal großes Herz und keinerlei Beschwerden haben, während ein Hund mit einem leiseren Geräusch ein vergrößertes Herz haben kann. Besonders die Grade 3 und 4 sagen wenig über den tatsächlichen Zustand des Herzens aus.
Nur eine Herzultraschalluntersuchung zeigt, wie stark das Herz tatsächlich vergrößert ist und wie viel Blut zurückfließt. Deshalb schlägt der Kardiologe nach dem Abhören fast immer einen Ultraschall vor, selbst wenn das Geräusch leise ist.
Das harmlose Geräusch beim Welpen
Bei jungen Hunden gibt es außerdem das sogenannte harmlose oder physiologische Geräusch. Es entsteht, weil das Herz schnell wächst, ist nicht Folge einer Krankheit und hinterlässt keine Spuren.
Ein harmloses Geräusch hat erkennbare Merkmale:
- es tritt meist zwischen der sechsten und achten Lebenswoche auf
- es ist leise, in der Regel Grad 1 oder 2
- der Welpe zeigt keine Symptome und entwickelt sich normal
- es verschwindet von selbst, meist bis zum vierten oder fünften Monat
Ein Geräusch, das nach dem sechsten Monat noch zu hören ist, gilt nicht mehr als harmlos und erfordert einen Herzultraschall. Dasselbe gilt für ein Geräusch, das lauter als Grad 2 ist, das von Kontrolle zu Kontrolle zunimmt oder das auf der rechten Brustseite am besten zu hören ist.
Wann ein Geräusch beim Cavalier Anlass zur Sorge gibt
Bei dieser Rasse wird ein Geräusch anders bewertet als bei anderen Hunden, einfach weil die Mitralklappenerkrankung so häufig ist. Einige Umstände erfordern größere Aufmerksamkeit:
- ein vor dem zweiten Lebensjahr entdecktes Geräusch, denn das deutet auf einen frühen Krankheitsbeginn hin
- ein Geräusch, das innerhalb eines Jahres um zwei oder mehr Grade zunimmt
- ein Geräusch, das mit Husten, schnellerer Atmung in Ruhe oder Ermüdung einhergeht
- ein Geräusch bei einem Hund, der für die Zucht vorgesehen ist
Andererseits bedeutet ein leises Geräusch bei einem über fünfjährigen Cavalier, ohne Symptome und mit dem Befund, dass das Herz nicht vergrößert ist, nicht, dass der Hund Medikamente braucht. Es bedeutet, dass er einmal jährlich kontrolliert werden sollte.
Was auf den Befund „Herzgeräusch“ folgt
Hört der Tierarzt ein Geräusch, ist der übliche Ablauf folgender. Zuerst werden der Grad und die Stelle bestimmt, an der es am besten zu hören ist. Anschließend wird der Hund zu einem Herzultraschall beim Fachkardiologen überwiesen, bei dem Herzgröße und Rückflussmenge gemessen werden. Auf Grundlage dieser Messungen wird der Hund dem entsprechenden Krankheitsstadium zugeordnet, und erst das Stadium bestimmt, ob eine Therapie begonnen wird und wann die nächste Kontrolle ansteht.
Ein Röntgenbild des Brustkorbs wird bei Bedarf gemacht, meist bei Husten oder Verdacht auf Flüssigkeit in der Lunge.
Was ein Geräusch beim Welpenkauf bedeutet
Ein verantwortungsvoller Züchter verpaart keinen Hund mit Herzgeräusch. Zuchthunde werden von einem Kardiologen untersucht und müssen geräuschfrei sein; der Befund wird auf Papier mit Namen und Unterschrift des Arztes ausgestellt.
Wenn ein Züchter Ihnen sagt, die Elterntiere „haben kein Geräusch“, aber keinen Befund vorlegen kann, hat diese Aussage kein Gewicht. Ein Geräusch vom Grad 1 hört nicht jeder Tierarzt in einer lauten Praxis, und genau deshalb gibt es die Untersuchung beim Spezialisten.
Beim Welpen selbst ist ein leises Geräusch im Alter von acht Wochen meist harmlos, es ist aber sinnvoll, es mit etwa sechs Monaten erneut prüfen zu lassen.
Fazit
Ein Herzgeräusch ist ein Zeichen, das eine Erklärung verlangt, kein Urteil. Beim Cavalier sollte man es ernst nehmen, aber ohne Panik: der Grad allein sagt nichts darüber aus, wie geschädigt das Herz ist, und ein Ultraschall klärt das in einem einzigen Termin. Die jährliche Kontrolle und die Wahl eines Welpen aus einem Wurf mit untersuchten Eltern bleiben die beiden Dinge, die am meisten am Ausgang ändern.
Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt weder Untersuchung noch Beratung durch einen Tierarzt. Für Diagnose und Therapie wenden Sie sich an Ihren Tierarzt, möglichst an einen Fachtierarzt für Kardiologie.
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