Syringomyelie und Chiari-artige Malformation beim Cavalier

Kopf eines Tricolour-Cavaliers im Profil, Text zur Syringomyelie

Die Syringomyelie ist nach der Mitralklappenerkrankung die zweitwichtigste Erbkrankheit des Cavalier King Charles Spaniels. Anders als beim Herzen handelt es sich um eine neurologische Erkrankung, die man weder mit dem Stethoskop hören noch bei einer gewöhnlichen Untersuchung finden kann — nur die Magnetresonanztomographie zeigt sie.

Der Name klingt schwer, und das Thema wird oft verschwiegen. Dieser Text erklärt, was im Rückenmark tatsächlich geschieht, wie häufig die Krankheit ist, woran man sie erkennt und was ein Züchter tun kann, um das Risiko zu senken.

Was Syringomyelie ist

Bei der Syringomyelie bilden sich im Rückenmark mit Flüssigkeit gefüllte Hohlräume. Diese drücken auf die Nervenfasern, die Berührungs- und Schmerzempfindung leiten, sodass der Hund Unbehagen, Kribbeln oder Schmerz an Stellen verspürt, an denen keinerlei Verletzung vorliegt.

Beim Cavalier ist die Ursache fast nie eine Verletzung, sondern die Form des Schädels. Damit kommen wir zum zweiten Begriff, der stets zusammen mit der Syringomyelie genannt wird.

Chiari-artige Malformation — die Ursache hinter der Ursache

Beim Cavalier ist der hintere Teil des Schädels zu klein für das darin liegende Gehirn. Das Kleinhirn drückt daher gegen die Öffnung an der Schädelbasis, durch die das Rückenmark verläuft. Diese Schädelform nennt man Chiari-artige Malformation.

Die Folge ist ein gestörter Fluss der Gehirnflüssigkeit am Übergang von Kopf zu Hals. Kann die Flüssigkeit nicht frei fließen, wird sie unter Druck ins Rückenmark gepresst und bildet dort Hohlräume. So führt die Chiari-artige Malformation zur Syringomyelie.

Es ist wichtig, beides auseinanderzuhalten: Die Chiari-artige Malformation ist eine Schädelform und findet sich bei nahezu jedem Cavalier, während nur ein Teil von ihnen eine Syringomyelie entwickelt. Der Befund einer Chiari-artigen Malformation allein ist daher kein Grund zur Beunruhigung.

Wie häufig die Krankheit ist

Die zuverlässigsten Zahlen liefern die großen Screening-Programme in den Niederlanden und Dänemark. Bei etwa 39 Prozent der untersuchten Cavaliere wurde eine Syringomyelie gefunden, mit klarem Alterszusammenhang: je älter der Hund, desto höher die Wahrscheinlichkeit.

Neuere Schätzungen bewegen sich in einer weiten Spanne zwischen 25 und 70 Prozent, je nach Population und Alter der untersuchten Hunde. Alle Studien stimmen darin überein, dass das Risiko mit jedem Lebensjahr steigt.

Eines sollte man außerdem wissen. Nicht jeder Hund mit Hohlräumen im Befund hat Beschwerden. Manche Hunde mit Syringomyelie zeigen nie Symptome und leben normal, während bei anderen die Krankheit die Lebensqualität erheblich beeinträchtigt.

Anzeichen, auf die zu achten ist

Beim Cavalier treten die Symptome meist zwischen dem sechsten Monat und dem dritten Lebensjahr auf, können aber auch später kommen. Die kennzeichnendsten Anzeichen sind:

  • Kratzen an Hals und Schulter, bei dem die Pfote die Haut nicht berührt, oft im Gehen oder wenn der Hund aufgeregt ist
  • zeitweiser Nackenschmerz, erkennbar an steif gehaltenem Kopf
  • plötzliches Aufjaulen ohne erkennbaren Anlass, besonders nachts oder beim Aufstehen
  • Überempfindlichkeit bei Berührung an Hals, Ohren und Schultern
  • Unlust zu springen, Treppen hinaufzulaufen oder den Kopf zum Napf zu senken
  • in schwereren Fällen Schwäche der Gliedmaßen oder eine Verkrümmung der Wirbelsäule

Das Kratzen ins Leere ist das kennzeichnendste Anzeichen und der häufigste Grund, aus dem ein Besitzer erstmals den Tierarzt aufsucht. Ein Beweis für sich ist es allerdings nicht: dasselbe Verhalten können auch Allergie, Flöhe oder ein Ohrenproblem auslösen, daher werden diese Ursachen stets zuerst ausgeschlossen.

Diagnostik: warum ein MRT nötig ist

Syringomyelie lässt sich weder durch eine Blutuntersuchung noch durch Röntgen oder Ultraschall bestätigen. Der einzige zuverlässige Weg ist die Magnetresonanztomographie, die in Narkose durchgeführt wird und Kopf sowie Halswirbelsäule erfasst.

Der Befund wird nach einer international anerkannten Skala bewertet, getrennt für die Schädelform und für die Hohlräume:

  • Chiari Grad 0: keine Malformation.
  • Chiari Grad 1: das Kleinhirn ist eingedellt, tritt aber nicht durch die Schädelöffnung.
  • Chiari Grad 2: das Kleinhirn ist in die Öffnung gedrückt oder tritt hindurch.
  • Syringomyelie Grad 0: unauffälliger Befund.
  • Syringomyelie Grad 1: Erweiterung des Zentralkanals von weniger als 2 Millimetern.
  • Syringomyelie Grad 2: ein Hohlraum von 2 Millimetern oder mehr beziehungsweise ein eigenständiger Hohlraum im Rückenmark.

Zusammen mit dem Grad wird das Alter des Hundes zum Zeitpunkt der Untersuchung vermerkt, denn ein unauffälliger Befund bei einem jungen Hund schließt ein späteres Auftreten nicht aus.

Behandlung

Die Syringomyelie wird in den meisten Fällen medikamentös behandelt, mit dem Ziel, den Schmerz zu kontrollieren und die Bildung von Gehirnflüssigkeit zu verringern. Am häufigsten kommen Mittel gegen Nervenschmerz zum Einsatz, bei Bedarf ergänzt durch entzündungshemmende Medikamente.

Eine Operation kommt nur bei Hunden in Betracht, denen Medikamente nicht helfen. Der Eingriff erweitert den Raum an der Schädelbasis und erleichtert den Flüssigkeitsfluss, entfernt aber bereits gebildete Hohlräume nicht und garantiert keine dauerhafte Lösung.

Bei Hunden mit leichten Beschwerden genügt es oft, den Alltag anzupassen: ein Brustgeschirr statt Halsband, den Futternapf auf Brusthöhe erhöht, plötzliche Sprünge vermeiden und eine ruhige Umgebung.

Was ein verantwortungsvoller Züchter tut

Anders als beim Herzen gibt es hier keine Untersuchung, die in jeder Praxis möglich wäre. Ein MRT ist teuer und erfordert eine Narkose, daher lassen es Züchter machen, die die Rasse ernst nehmen.

Die Empfehlungen der Fachprogramme lauten:

  • das Mindestalter für die Untersuchung liegt bei zwölf Monaten, ein Befund ist jedoch weit aussagekräftiger, wenn der Hund mit drei Jahren oder später untersucht wird
  • den größten Wert hat die Untersuchung eines Hundes über fünf Jahren, denn dann erfasst das Ergebnis auch ein spätes Auftreten der Krankheit
  • mindestens ein Elterntier des Paares sollte frei von Syringomyelie sein
  • die Verpaarung zweier Hunde mit bestätigter Syringomyelie wird unter keinen Umständen empfohlen

Das niederländische Screening-Programm zeigte, dass dies ein messbares Ergebnis bringt: der Anteil betroffener Nachkommen sank innerhalb weniger Jahre von etwa 38 auf etwa 27 Prozent.

Was Sie den Züchter fragen sollten

Die Fragen folgen derselben Logik wie beim Herzen, sie beziehen sich lediglich auf eine andere Untersuchung:

  • Wurden die Elterntiere im MRT untersucht, und in welchem Alter?
  • Welcher Grad steht im Befund, getrennt für Chiari-artige Malformation und für Syringomyelie?
  • Darf ich den Befund und die Aufnahmen sehen?

Die Antwort, die Rasse „habe dieses Problem nicht“, ist unzutreffend und das beste Zeichen, weiterzusuchen. Die Chiari-artige Malformation liegt bei praktisch jedem Cavalier vor und wird offen angesprochen — und genau diese Offenheit unterscheidet einen Züchter von einem Händler.

Fazit

Die Syringomyelie ist eine ernste Krankheit, aber sie betrifft nicht jeden Cavalier und bedeutet nicht automatisch ein schlechtes Leben. Ein Besitzer kann einen Welpen aus einem Wurf mit untersuchten Eltern wählen, die frühen Anzeichen erkennen und rechtzeitig zum Tierarzt gehen, statt das Kratzen für eine Angewohnheit zu halten. Gegen die Schmerzen lässt sich heute viel erreichen, und eine frühe Untersuchung erspart Hund und Besitzer Jahre der Unsicherheit.

Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt weder Untersuchung noch Beratung durch einen Tierarzt. Für Diagnose und Therapie wenden Sie sich an Ihren Tierarzt, möglichst an einen Fachtierarzt für Neurologie.

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