Augenprobleme beim Cavalier: was auftritt und woran man es erkennt

Nahaufnahme der Augen eines Cavalier King Charles Spaniels, Text zu Augenproblemen

Die Augen sind beim Cavalier der dritte Bereich, dem besondere Aufmerksamkeit gilt, gleich nach Herz und Rückenmark. Anders als bei jenen beiden Themen sind Augenprobleme meist mit bloßem Auge zu sehen — und genau deshalb kann ein Besitzer sie früh erkennen.

Dieser Text geht die Zustände durch, die bei dieser Rasse am häufigsten auftreten, woran man sie erkennt und wann ein Tierarztbesuch dringend ist und wann er warten kann.

Warum die Augen des Cavaliers empfindlich sind

Der Cavalier hat ein großes, rundes und vorstehendes Auge, eines der markantesten Merkmale der Rasse. Dieselbe Bauweise bedeutet aber auch, dass das Auge weniger vor Verletzung, Austrocknung und Staub geschützt ist als bei Rassen mit tiefer liegendem Auge.

Hinzu kommen mehrere Erbkrankheiten, die von den Eltern auf die Nachkommen übergehen. Deshalb zählt die Augenuntersuchung beim Spezialisten zu den Untersuchungen, die ein verantwortungsvoller Züchter vor der Verpaarung durchführt.

Trockenes Auge

Das ist das häufigste Augenproblem beim Cavalier. Die Tränendrüse produziert zu wenig Tränenflüssigkeit, sodass die Hornhaut trocken und gereizt bleibt.

Erkennbar ist es an Folgendem:

  • ein dicker, klebriger, gelblicher Ausfluss, der sich im Augenwinkel sammelt
  • das Auge wirkt matt statt glänzend
  • der Hund blinzelt und reibt das Auge mit der Pfote oder an Möbeln
  • Rötung, die nicht vergeht

Das trockene Auge wird lebenslang behandelt, mit täglich gegebenen Tropfen; unter regelmäßiger Therapie sieht der Hund völlig normal. Unerkannt und unbehandelt führt es zu Narben auf der Hornhaut und zu dauerhaftem Sehverlust — frühes Erkennen ist hier entscheidend.

Katarakt

Ein Katarakt ist eine Trübung der Augenlinse. Beim Cavalier gibt es eine erbliche Form, die früh auftritt, sowie die übliche altersbedingte Form.

Er zeigt sich als graue oder bläuliche Trübung in der Tiefe des Auges. Er schreitet langsam fort und kann zur Erblindung führen, wird aber operativ mit guten Ergebnissen behandelt.

Bei älteren Hunden sollte man noch eines wissen. Ein leichter bläulicher Schleier bei einem Hund über acht Jahren ist meist kein Katarakt, sondern die übliche altersbedingte Veränderung der Linse, die das Sehvermögen nicht nimmt. Den Unterschied klärt die Untersuchung, nicht das Aussehen des Auges.

Distichiasis

Dabei wachsen Wimpern an der falschen Stelle, aus dem Lidrand heraus, und schaben bei jedem Lidschlag über die Hornhaut.

Erkennbar ist sie an ständigem Tränen, Blinzeln und Rötung eines Auges. In milden Fällen unternimmt man nichts, in ausgeprägteren werden die Härchen operativ entfernt.

Hornhautgeschwüre

Ein Geschwür ist eine Schädigung der Augenoberfläche. Beim Cavalier entsteht es entweder infolge des trockenen Auges oder durch Verletzung, denn ein vorstehendes Auge stößt leicht an einen Zweig oder ein Spielzeug.

Dies ist der einzige Augenzustand, bei dem man noch am selben Tag zum Tierarzt geht. Die Anzeichen sind eindeutig: der Hund hält das Auge plötzlich geschlossen, tränt stark, meidet Licht und lässt niemanden an den Kopf.

Ein Geschwür heilt schnell und gut, wenn sofort behandelt wird; einige Tage sich selbst überlassen, kann es das Auge gefährden.

Netzhautdysplasie

Eine erbliche Fehlentwicklung der Netzhaut. In der milden Form hat der Hund kleine blinde Flecken, die er im Alltag gar nicht bemerkt; in der schweren Form löst sich die Netzhaut ab und das Sehvermögen geht verloren.

Am Aussehen des Auges ist sie nicht zu erkennen, nur die Untersuchung beim Spezialisten deckt sie auf. Deshalb gehört sie zur Untersuchung vor der Verpaarung.

Die Augenuntersuchung beim Spezialisten

Die Untersuchung führt ein Veterinärophthalmologe ohne Narkose durch und sie dauert nur kurz. Beim Cavalier wird sie einmal jährlich empfohlen.

Der Befund gilt begrenzt, meist ein Jahr, da Augenerkrankungen auch später im Leben auftreten können. Deshalb wird die Untersuchung wiederholt und nicht ein für alle Mal gemacht.

Für einen Zuchthund gehört der augenärztliche Befund zur Pflichtdokumentation, neben dem kardiologischen Befund und den Gentests.

Tägliche Pflege

Einige einfache Gewohnheiten verringern die Zahl der Probleme:

  • wischen Sie die Augenwinkel mit weicher, feuchter Gaze aus, für jedes Auge eine frische
  • kürzen Sie das Haar um die Augen, damit es nicht piekst und keinen Schmutz sammelt
  • vermeiden Sie Autofahrten mit dem Kopf aus dem offenen Fenster
  • verwenden Sie keine Tropfen für menschliche Augen ohne tierärztlichen Rat
  • zeigen Sie jeden Ausfluss, der länger als zwei Tage anhält, dem Tierarzt

Wann es dringend ist

Gehen Sie sofort zum Tierarzt, wenn Ihnen eines der folgenden Zeichen auffällt:

  • ein plötzlich geschlossenes Auge und starkes Tränen
  • eine sichtbare Verletzung oder Kratzer am Auge
  • eine Trübung, die über Nacht aufgetreten ist
  • ein Auge, das blutunterlaufen oder hervorstehend wirkt
  • der Hund stößt plötzlich gegen Möbel

Fazit

Die meisten Augenprobleme beim Cavalier lassen sich gut lösen, wenn sie rechtzeitig bemerkt werden. Das trockene Auge, das häufigste davon, nimmt bei täglichen Tropfen weder Sehkraft noch Lebensqualität. Übersehen wird meist nicht ein schwerer Zustand, sondern ein früher: dicker Ausfluss und ein matt wirkendes Auge werden leicht für Schmutz gehalten, sind aber genau das erste Anzeichen. Eine Untersuchung beim Spezialisten einmal jährlich ist bei dieser Rasse eine vernünftige und günstige Entscheidung.

Hinweis: Dieser Text dient der Information und ersetzt weder Untersuchung noch Beratung durch einen Tierarzt. Für Diagnose und Therapie wenden Sie sich an Ihren Tierarzt, möglichst an einen Fachtierarzt für Augenheilkunde.

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