Der Rassestandard ist die schriftliche Beschreibung, nach der der Cavalier im Ring gerichtet wird und nach der Züchter ihre Zuchthunde auswählen. Er ist keine Liste von Schönheitsmerkmalen, sondern die Beschreibung eines Körperbaus, der es der Rasse erlaubt, sich zu bewegen und zu leben, wie sie soll.
Dieser Text geht den Standard Punkt für Punkt durch und erklärt, was die einzelnen Begriffe bedeuten, denn die Formulierungen sind für jemanden, der zum ersten Mal einen Welpen aussucht, oft unverständlich.
Wo die Rasse in der Klassifikation steht
Der Cavalier King Charles Spaniel wird in der Klassifikation der Fédération Cynologique Internationale unter der Nummer 136 geführt.
- Gruppe 9: Gesellschafts- und Begleithunde
- Sektion 7: Englische Toy Spaniels
- Ohne Arbeitsprüfung
Der letzte Punkt ist keine Formalität. Er bedeutet, dass die Rasse weder auf Jagd noch auf Wachdienst noch auf Arbeit beurteilt wird — denn dafür wurde sie nie gezüchtet.
Allgemeines Erscheinungsbild und Wesen
Der Standard beschreibt die Rasse als aktiv, anmutig und gut ausgewogen, mit sanftem Ausdruck.
Beim Wesen ist die Beschreibung ungewöhnlich genau: sportlich, anhänglich, absolut furchtlos, fröhlich und freundlich, ohne jede Neigung zu Nervosität und ohne Aggressivität.
Dies ist eine der wenigen Rassen, bei denen Ängstlichkeit ausdrücklich als Fehler genannt wird. Ein Cavalier, der vor Menschen zurückweicht oder mit Angst reagiert, entspricht nicht der Beschreibung der Rasse, wie schön er auch aussehen mag.
Kopf:
Hier liegt der größte Unterschied zum King Charles Spaniel, einer verwandten, aber eigenständigen Rasse.
- Schädel: nahezu flach zwischen den Ohren, ohne Wölbung
- Stop: flach, das heißt der Übergang von der Stirn zur Schnauze ist sanft und nicht abrupt
- Fang: Länge vom Stopansatz bis zur Nasenspitze etwa 3,8 Zentimeter
- Nase: schwarz, gut entwickelt, ohne rosa Stellen
- Kiefer: ein korrektes Scherengebiss, bei dem die oberen Zähne die unteren überlappen
Jene Angabe von 3,8 Zentimetern ist die konkreteste Zahl im gesamten Standard, und genau sie trennt die beiden Rassen. Eine kurze, flache Schnauze ist beim Cavalier nicht erwünscht.
Augen und Ohren
Augen: groß, dunkel und rund, aber nicht hervorstehend. Weit auseinander gesetzt. Genau sie erzeugen den sanften Ausdruck, den der Standard ausdrücklich verlangt.
Ohren: lang, hoch angesetzt, mit reichlichem Behang. Ist der Hund aufmerksam, heben sich die Ohren am Ansatz leicht.
Körper, Rute und Bewegung
Körper: kurz gekoppelt, mit mäßig breiter Brust und gerader oberer Linie. Rippen gut gewölbt.
Rute: im Verhältnis zur Körperlänge, gut angesetzt, fröhlich getragen, aber nie deutlich über der Rückenlinie. Kupieren wird nicht vorgenommen.
Bewegung: frei und elegant, mit gutem Vorgriff vorn und kräftigem Schub hinten. Von vorn und hinten gesehen bewegen sich die Läufe parallel.
Fell
Lang, seidig und frei von Locken. Eine leichte Welle ist zulässig.
Der Standard verbietet ausdrücklich das Trimmen und Formen des Fells. Der Cavalier wird im Ring im Naturzustand vorgeführt. Erlaubt ist einzig das Kürzen des Haares zwischen den Ballen.
Das unterscheidet ihn von vielen Rassen, bei denen die Frisur Teil der Ausstellungsvorbereitung ist, und deshalb ist die Pflege eines Cavaliers einfacher, als sie aussieht.
Farben
Anerkannt sind vier Farben, zwei Scheckenfarben und zwei einfarbige:
- Blenheim: kastanienbraune Felder auf perlweißem Grund
- Tricolour: schwarze Felder auf weißem Grund, mit lohfarbenen Abzeichen
- Black and Tan: rabenschwarzes Fell mit lohfarbenen Abzeichen, ohne Weiß
- Ruby: ein durchgehendes warmes Rot, ohne Weiß
Bei den einfarbigen Varianten gilt weißes Haar als Fehler. Bei den Schecken werden klar abgesetzte Felder und ein reiner weißer Grund verlangt.
Größe
Gewicht von 5,4 bis 8 Kilo. Verlangt wird ein harmonischer, kleiner Körperbau innerhalb dieser Spanne.
Das ist das einzige Maß, das der Standard vorschreibt. Die Widerristhöhe wird im Standard überhaupt nicht genannt, obwohl sie in der Praxis bei erwachsenen Hunden etwa dreißig bis dreiunddreißig Zentimeter beträgt.
Fehler
Der Standard zählt Fehler nicht einzeln auf, sondern stellt eine allgemeine Regel auf: jede Abweichung von den genannten Punkten gilt als Fehler, und die Schwere des Fehlers steht im Verhältnis zu ihrem Ausmaß und ihrer Auswirkung auf Gesundheit und Wohlbefinden des Hundes.
Dieser letzte Satz ist wichtiger, als er scheint. Er bedeutet, dass eine Abweichung, die dem Hund schadet, schwerer wiegt als eine rein ästhetische.
Hunde mit körperlichen oder Wesensfehlern, die die Gesundheit beeinträchtigen, werden von der Bewertung ausgeschlossen, und Rüden müssen beide Hoden im Skrotum haben.
Was der Standard nicht abdeckt
Das ist der Teil, den künftige Besitzer am häufigsten übersehen. Der Standard beschreibt Aussehen und Wesen, aber er sagt nichts über die Erbkrankheiten der Rasse.
Ein Hund kann dem Standard perfekt entsprechen und dennoch eine Mitralklappenerkrankung oder Syringomyelie haben. Deshalb werden neben dem Standard eigene Gesundheitsprogramme genutzt; sie sind nicht Teil der Bewertung im Ring, aber Voraussetzung für verantwortungsvolle Zucht.
Mit anderen Worten: ein Ausstellungsergebnis und ein Gesundheitsbefund sind zwei getrennte Dinge, und eines ersetzt das andere nicht.
Fazit
Der Rassestandard des Cavaliers ist kurz und beim Wesen ungewöhnlich klar: verlangt wird ein Hund ohne Furcht und ohne Aggression, mit sanftem Ausdruck, der sich frei bewegt und dessen Fell nicht mit der Schere geformt ist. Für den Käufer sind zwei Dinge am nützlichsten: dass eine Schnauze von etwa 3,8 Zentimetern den Cavalier von der verwandten Rasse trennt, und dass der Standard nichts über Gesundheit sagt, weshalb die Befunde der Eltern gesondert verlangt werden müssen.
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