Herkunft und Geschichte des Cavalier King Charles Spaniels

Ein gemaltes Porträt eines King Charles Spaniels aus dem 19. Jahrhundert, Text zur Herkunft der Rasse

Der Cavalier King Charles Spaniel ist die einzige Rasse, die nach einem englischen König benannt ist, und eine der wenigen, die im zwanzigsten Jahrhundert buchstäblich vom Rand des Aussterbens zurückgeholt wurde. Die Geschichte erklärt auch, warum es heute zwei ähnliche Rassen mit fast gleichem Namen gibt.

Dieser Text verfolgt die Rasse von höfischen Porträts des siebzehnten Jahrhunderts bis zum heutigen Standard und erklärt, worin sich der Cavalier vom King Charles Spaniel unterscheidet.

Der Hofhund englischer Könige

Kleine Spaniels mit langen Ohren erscheinen auf europäischen Porträts bereits im sechzehnten Jahrhundert, im Schoß von Adligen und neben Kindern auf Familienbildern.

Ihren Namen erhielt die Rasse von Karl II., der 1661 den Thron bestieg. Er war ein leidenschaftlicher Züchter, und seine Spaniels folgten ihm überallhin, sogar in Ratssitzungen. Der Beiname „der fröhliche Monarch“ gehört ihm ebenso wie der Stimmung, die diese Hunde verbreiteten.

Dieses frühe Bild des Hundes ist wichtig, denn genau es diente später als Maßstab bei der Wiederherstellung der Rasse: längere Schnauze, flacher Schädel, großes dunkles Auge und sanfter Ausdruck.

Wie die Rasse fast verschwand

Nach dem Tod Karls II. im Jahr 1685 änderte sich der Geschmack. Im neunzehnten Jahrhundert wurden Toy-Spaniels mit kurznasigen Rassen gekreuzt, und das Erscheinungsbild verschob sich erheblich.

Bis Mitte des neunzehnten Jahrhunderts entstand ein Hund mit völlig anderem Kopf: ganz flaches Gesicht, gewölbter Schädel, vorstehender Unterkiefer und großes rundes Auge. Dieser Hund ist als King Charles Spaniel bekannt und besteht bis heute als eigene Rasse.

Das Problem war, dass der alte Typ, jener von den Porträts, praktisch verschwunden war. Es gab keine Züchter, die ihn erhalten hätten, denn im Ring wurde das neue Aussehen belohnt.

Der Preis, der die Rasse zurückbrachte

Die Wende kam 1926 von dem Amerikaner Roswell Eldridge, der in einem Ausstellungskatalog in England eine Anzeige schaltete.

Er bot einen Preis von fünfundzwanzig Pfund für einen Rüden und ebenso viel für eine Hündin, die der Beschreibung des alten Typs von den Porträts am nächsten kamen, dazu kleinere Preise für den zweiten und dritten Platz. Das Angebot galt fünf Jahre in Folge.

Für damalige Verhältnisse war die Summe beachtlich und erregte Aufmerksamkeit. Züchter begannen, in Würfen, die bis dahin als misslungen galten, nach Hunden mit längerer Schnauze zu suchen.

1928 gewann ein Hund namens Ann's Son im Besitz von Miss Mostyn Walker den Preis. Dieser Hund gilt als Ausgangspunkt der modernen Rasse.

Anerkennung als eigene Rasse

Im selben Jahr 1928 wurde der erste Rasseklub gegründet. Die Züchter verabschiedeten eine Beschreibung, nach der weitergearbeitet wurde, und Ann's Son diente als lebendes Vorbild.

Der britische Kennel Club erkannte den Cavalier als eigene, vom King Charles Spaniel getrennte Rasse an. Das Wort „Cavalier“ im Namen bezeichnet genau diesen Unterschied und ist keine Verzierung.

Eldridge erlebte das Ergebnis seiner Idee nicht mehr, doch die Rasse, die er in Gang setzte, ist heute eine der beliebtesten kleinen Rassen der Welt.

Cavalier und King Charles Spaniel — zwei Rassen, nicht eine

Das ist die häufigste Verwechslung bei Menschen, die gerade erst einen Hund aussuchen. Es handelt sich um zwei getrennte Rassen mit unterschiedlichem Standard:

  • Der Cavalier King Charles Spaniel ist größer, wiegt etwa fünf bis acht Kilo, hat eine längere Schnauze und einen flachen Schädel.
  • Der King Charles Spaniel, in Amerika als English Toy Spaniel bekannt, ist kleiner und wiegt etwa drei bis sechs Kilo, mit flachem Gesicht und gewölbtem Schädel.

Beide Rassen teilen denselben Vorfahren und dieselben vier Farben, werden im Ring aber getrennt gerichtet und nicht miteinander verpaart.

Was von dieser Geschichte im heutigen Hund geblieben ist

Der Cavalier war nie ein Arbeitshund. Er hütete keine Herden, jagte nicht und bewachte kein Anwesen. Jahrhundertelang wurde er für eines gezüchtet: beim Menschen zu sein.

Das erklärt die Eigenschaften, die Besitzer heute am häufigsten nennen:

  • eine ausgeprägte Bindung an die Familie und Unbehagen, wenn er lange allein bleibt
  • das Fehlen von Territorialverhalten und Misstrauen gegenüber Gästen
  • die Leichtigkeit, mit der er sich in eine Wohnung und in eine Familie mit Kindern einfügt
  • die Neigung, seinem Menschen von Raum zu Raum zu folgen

Was die Geschichte als höfischen Luxus zeigt, sieht man heute als Wesen: ein Hund, der keine Aufgabe sucht, sondern Gesellschaft.

Ein Erbe, das nicht nur schön ist

Die Wiederherstellung der Rasse aus wenigen Hunden in den 1920er Jahren hinterließ auch eine Folge. Die schmale genetische Basis trug zur Häufigkeit zweier Erbkrankheiten bei, der Mitralklappenerkrankung und der Syringomyelie.

Deshalb wählt ein ernsthafter Züchter heute nicht nur nach Aussehen und Pedigree, sondern vor allem nach den Befunden der Elterntiere. Das ist der Teil der Rassegeschichte, den man auf den Porträts nicht sieht, der aber am meisten bestimmt, was für ein Leben der Hund haben wird.

Fazit

Der Cavalier ist eine Rasse, die einmal bereits verschwunden war und zurückgeholt wurde, weil jemandem daran lag, dass der Hund von den alten Bildern wieder existiert. Diese Geschichte ist nicht bloß eine hübsche Anekdote: sie erklärt, warum die Rasse ein sanftes Wesen hat, warum es die Verwechslung mit dem ähnlichen Namen gibt und warum die sorgfältige Wahl des Wurfs bei dieser Rasse wichtiger ist als bei den meisten anderen.

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